Finde Deinen Stil?

nurXso: Jahreswechsel – ein lockerer Exkurs der Gedanken

 

 

Fotografiere so, wie es DIR gefällt

Das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis. Klingt simpel und ist es auch. Das sollten wir uns in Erinnerung bringen. Immer wieder mal.

ein langer Weg – Fuji X-E2 XF18mmF2R 1/15 sec f/2.0 ISO 400

 

 

Machen wir es uns ganz einfach. Was wäre zum Beispiel, wenn man die Menschen, die Deine Bilder sehen, in zwei Gruppen einteilen sollte. Meine favorisierte Einteilung wäre:

1. Du    und    2. Alle anderen

Schauen wir erst mal auf die zweite Gruppe. Wer sind denn die „anderen“? Bestenfalls jemand aus der eigenen Familie, dessen Vorlieben man gern berücksichtigt. Wenn man also „für jemanden“ ein paar Fotos macht, dann wird die Gruppe der „anderen“ relevant. Aber sonst? Eins steht fest: was der eine mag, das mag der andere schon lange nicht. Deshalb denke ich, die Bilder sollten zunächst einmal Dir selbst gefallen. Das motiviert Dich. Du bist Dein eigener Maßstab. Dann ist Dir unabhängig vom Urteil anderer eines sicher: Du magst sie und hast Spaß an Deinem Hobby! Das ist doch das wichtigste.

 

Was gefällt Dir an Deinen Bildern

Analysiere Deine Ergebnisse

Nimm Dir mal deine Lieblingsbilder vom letzten Jahr in die Hand und überlege, was Dir daran so wichtig ist. Was findest Du daran gut? Ist es die Motivwahl oder die Bildaufteilung? Könnte es der Film/die Filmemulation sein? Waren die Lichtverhältnisse besonders? Übrigens müssen das nicht unbedingt Deine eigenen Bilder sein. Gerade von Fotos anderen kann man viel auch über seine eigenen Wünsche und Stile entdecken.

Wo ist noch „Luft nach oben“?

In einem zweiten Schritt könnte man dann überlegen, wie optimal dieses „gewisse Extra“ im Bild bereits eingesetzt wurde. Was das genau richtig? Geht das noch besser oder ausdrucksvoller? Kann ich das in einer ähnlichen Situation in Zukunft noch verstärken? Vielleicht gibt es auch Leute in Deiner Nähe, mit denen Du über die Bilder sprechen kannst und ihre Meinung dazu einholen.

 

Vlotho Schmuck in der Innenstadt
Kopflos – Fuji X-T2 XF35mmF1.2R 1/100 sec f/4.0 ISO 200

Ein eigenes Beispiel zum Thema „Motivwahl“: Ich fotografiere ganz selten Zier-Dinger, die irgendwo rumstehen.  Schon gar nicht, wenn noch die Baumarkt-Preisschilder auf der Rückseite kleben. Lieber zeige ich etwas oder besser noch jemanden, das/der eine eigene Lebensgeschichte erzählen kann. Aber warum nicht auch mal ein Schild, das schon mal bessere Tage gesehen hat. Witterung und vermutlich auch Vandalismus haben es dekonstruiert, Moose und Schimmelpilze arbeiten auch noch dran. Trotzdem lässt sich die Idee noch erahnen, mit der der oder die es mal aufstellten. Das finde ich wieder klasse und vielleicht entdecke ich dieses Jahr noch mehr davon.

 

Habe Spass am Austausch

Auch wenn wir uns hier mit den eigenen Bildern beschäftigen, so sollte es erwähnt werden: Es gibt so viele tolle Quellen, um seine eigene Sehgewohnheiten und Technik weiter zu entwickeln. Ob auf Webseiten, Videos, Ausstellungen oder auch im direkten Austausch mit anderen Fotobegeisterten.

 

 

Muss man sich auf eine bestimmte Richtung festlegen?

Marketing und Stil

Manche müssen sich einen festen Stil aneignen. Da gibt es die Gruppe, die von ihrer Arbeit lebt.  Als Künstler oder professioneller Fotograf sollte man immer auf einen eigenen Stil hinarbeiten. Etwas Markantes, etwas Einzigartiges schaffen. Einen unverwechselbaren Stil, den man in Sammlungen als homogenes Ganzes zur Schau stellen kann. Etwas, für das man engagiert oder gebucht wird.

 

Joel Meyerowitz C/O Berlin
Joel Meyerowitz C/O Berlin Januar 2018- Fuji X-E2 XF18mmF2R 1/60 sec f/3.2 ISO 3200

 

So erlebte ich das auch auf einer Fotoaustellung in dieser Woche in Berlin. Joel Meyerowitz führte den Besucher mit Werken zum Thema „Why Color?“ durch verschiedene Phasen seines Schaffens. Sehenswert! Von Reisefotos aus den 1950ern quer durch Europa, Streetfotografie aus dem Amerika der 60er Jahre bis hin zu neueren Werken dokumentierten eine stetige Entwicklung seines (seiner) Stile.

 

Kleine Exkurs: Manche Bilder in der Ausstellung hatten aus meiner Sicht einen recht eigenwilligen Hang zum „Unperfekten“. Wie soll ich das beschreiben…  Wenn zum Beispiel der Horizont in einem Bild von silberglänzenden Wohnanhängern in Florida nur unzureichend gerade gestellt ist. Nicht so schräg, dass ich es als künstlerische Interpretation sehen würde. Aber auch nicht so gerade, wie es mir selbstverständlich erscheint. Oder wenn es so wirkt, als habe der Fotograf nicht die optimale Zeit-/Blendenkombination für das gewünschte Motiv getroffen – ohne leicht erkennbare Absicht für den Betrachter. Vielleicht liegt das aber auch an dem gewohnten Digital-Bildbearbeitungs-Grunddilemma, das sich wie ein grippaler Infekt durch die globale Bildmedienlandschaft arbeitet. Es muss immer perfekt sein – ohne Abstriche. Dem schnellen Meckern über mangelnde Perfektion im vorauseilenden Gehorsam.

Geht uns ein Stück die „Kunst“ verloren? Verabschieden wir uns immer mehr vom der „Freiheit“?

 

Freiheit der Freizeit – eine Spielwiese

Im Beruf stehen wir unter dem Druck, Dinge zu optimieren. Wir müssen uns ständig weiterentwickeln. Wer da rastet, der rostet. Aber was machen wir aus unserer Freizeit, wenn wir dort genauso zielorientiert denken. Verlieren wir da nicht schnell so ein Gefühl für Muße, für lockeren Zeitvertreib? Gefangen im Hamsterrad zwanghafter Selbstoptimierung?

Für mich ist das Leben mit der Fotografie als Hobby eher wie eine entspannte Reise. Etwas fortschreitendes, nicht langweilig werdendes mit der Möglichkeit der Rast. Und immer angetrieben von der Neugier, was sich auf dem Weg hinter der nächsten Ecke neues auftut.

Man könnte es auch mit einem Spiel vergleichen. Da zieht man die Ereigniskarte „Landschaft“ oder „Reportage“ und schaut, was man daraus machen kann. Und am Ende des fairen Spiels sind alle Sieger.

Die eigene Weiterentwicklung durch das Hinterfragen der Bilder finde ich wichtig. Die einengende Form des „Stils“ habe ich aber im Beitrag bewusst mit einem Fragezeichen versehen. Ich denke, dass wir da mehr Freiheit geniessen sollten.

 

 

Mein persönlicher Jahresrückblick

Anlass für diese Gedanken ist ein Fotobuch. Wie in den Vorjahren habe ich aus allen Aufnahmen versucht, mir selbst eine Auswahl von 100 Stück zusammenzustellen (auch wenn es am Ende ein paar mehr wurden). Bilder von Situationen, die mich bewegt haben und die ich von der fotografischen Seite her mag. Ausbelichtet wirkt Vieles noch mal deutlich anders als auf dem Monitor.

 

 

Vielleicht habt Ihr ja Lust, Euch auch mal so ein Buch mit Euren Erlebnissen zu erstellen. Und über Sinn und Zweck eines eigenen Stils nachzugrübeln….

 

 

 

 

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