Wie schwer ist fotografieren?

Hier soll es mal nicht über ISO, Blende, Zeit oder Hyperfocaldistanz gehen – sondern tatsächlich über das GEWICHT!

Sucht man nach einem Kamerasystem, das zu den eigenen Wünschen passt, dann gibt es viele Überlegungen. Meistens endet es darin, den bestmöglichen Kompromiss zu finden. Größe, Preis, Handling, Bildqualität – alles will optimal auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten werden.

Mein Dilemma: Manchmal dürfte die Ausrüstung so groß und schwer sein, dass sie in unser Auto passt – einen alten geräumigen VW-Bus – und damit fast ohne Limit. Und manchmal soll alles neben anderem „Gedöns“ noch in den Tagesrucksack passen und am besten nichts wiegen.

Ein kleiner Überblick über meine persönlichen Lösungsvarianten

Vorraussetzung ist ein „leichter“ Body, der als Basis für die jeweilige Aufgabe genutzt werden kann. Da gibt es auf dem Markt ja je nach Marke die unterschiedlichsten Teile. Mal sind sie „Scheinriesen“, also wahnsinnig groß, aber voller luftigem Plastik. Oder sie sind zwar recht klein, aber scheinen alternativ aus massivem Edelmetall zu bestehen. So wiegt der Body einer Canon 7D MKII schon 910 Gramm und der meiner Fuji X-E2 nur 370g – und das bei gleicher Sensorgröße. Doch entscheidend ist unterwegs die Kombi mit dem passenden Objektiv…

Die leichteste Lösung Fuji X-E2 und 18mm/F2 – 486 Gramm

Das ist meine immer-dabei-Lösung: Leichter Body mit kleinstem Objektiv. Das ist eine Größenordnung, die in normalen Rucksäcken oder auch umgehängt nicht schwer fällt. Die Brennweite von 18mm (auf 35mm umgerechnete 27mm) ist sehr neutral und für das meiste zu gebrauchen. Als Schutz habe ich immer die mitgelieferte Seitenlichtblende drauf. Auf die dazugehörige Gummi-Staubabdeckung verzichte ich aber gerne – fällt sowieso ab.

 Die kleinste Kombi-Lösung: Fuji X-E2 plus 18mm/F2 und 35mm/F1.4 – 682 Gramm

Wenn ich unterwegs bin und nicht genau weiss, was der Tag noch bringen wird. Wenn ich mehrere Tage mit dem Fahrrad reise und an allem sparen will…

Diese beiden Objektive sind eine optimale Kombi. Das 18mm ist dabei das angenehme Weitwinkel und mit F2 auch relativ lichtstark. Sobald es dunkler wird, oder ich ein Objektiv brauche, dass die typische bis-in-jeden-Winkel-pixelgenaue Abbildung ermöglicht, für die Fuji-X-Objektive bekannt sind,  dann kommt das 35mm/F1.4 drauf.

 Die ambitioniertere Kleinvariante: Fuji X-E2 plus 18mm/F2 , 35mm/F1.4 und 56mm/F1.2 – 1093 Gramm

Jetzt wird es schon komfortabel: vom Weitwinkel über normaler Brennweite bis Portrait-Tele alles dabei! Das 56mm ist ja selbst schon ein ziemlich schweres Glas, doch wenn ich ein drittes Objektiv dabei habe, dann ist es immer dieses. Viele werden jetzt sagen, warum nicht gleich ein Zoomobjektiv, statt der drei einzelnen. Fuji bietet hier mit dem FUJINON XF18-55mm F2.8-4 R  eine mögliche Alternative an. Ich merke jedoch, dass die Lichtstärke mir oft nicht reicht. Gerade bei 55mm stehen hier eine Blende von 4 der Blende 1.2 gegenüber. Auch im mittleren Brennweitebereich ist mir die Blende 1.4 als Gestaltungsspielraum deutlich interessanter als die Blende von ca. 3.5  des Kit-Objektives. Sobald die Lichtverhältnisse schlechter werden, kann man mit dieser Kombi eine unnötig hohe ISO und damit viel Rauschpotential der Bilder  vermeiden. Dieses ist übrigens auch die Flugreisen-Kombi nach Valencia gewesen.

 Was blieb unerwähnt? Das 14mm/F2.8 und das 23mm/F1.4

Body und alle 5 Objektive kommen zusammen auf fast 1,7 kg. Auch wenn man nicht Äpfel mit Birnen vergleichen sollte: Der Body der Canon EOS-1 X MarkII wiegt allein schon 1,4 kg – ohne ein einziges Objektiv.

Das 14mm/F2.8 finde ich für Architekturfotos genial – so scharf und mit einem bombastischem Winkel von 14mm (auf 35mm umgerechnet: 21mm). Wenn man es für People-Fotografie einsetzt, gibt es einen besonderen „mitreissenden“ Effekt, den ich ebenso sehr liebe. Auf normale kleinen Reisen reicht mir aber das 18mm als Allerweltsding aus.

Das 23mm/F1.4 ist in seiner Bauart und Güte dem 56mm/F1.2 ebenbürtig. Super-Optik, die aber auch beim Gewicht zu Buche schlägt. Ich habe es gern dabei, wenn mir das 18mm in der Qualität nicht reichen sollte oder es zum Beispiel bei Feiern mit der größeren Blende noch etwas Luft verschafft.

 Noch einmal zurück zum Titelbild

Für dieses Bild vom Fahrrad hatte ich die kleinste Kombi im Rucksack – mit Seitenlichtblende exakt 500g! Wer also mal nach einem neuen Kamerasystem Ausschau hält, der sollte sich über das Gewicht aus meiner Sicht Gedanken machen.

Ich habe schon so manchen Foto-Enthusiasten getroffen, der unter der Last seiner Kameraausrüstung fast zusammenbrach. Im Fotoladen wirkt alles im einzelnen noch leicht. Wenn man dann später aber alles zusammen einen ganzen Tag auf dem Rücken hat und die Riemen der Tasche die Schulter einschneiden, dann kann es schnell unangenehm werden. Bevor ich diese Last tragen müsste, würde ich lieber zum smarten Telefon greifen und meine Fotos damit schiessen.

Schön ist es, wenn man sich -für den jeweiligen Einsatzzweck- die passende Lösung aus seiner Optiksammlung zusammenstellen kann.

 

 

One Reply to “Wie schwer ist fotografieren?”

  1. Das letzte Bild (500g) erinnert mich an meine favorisierte Ausrüstung außer Haus. Zum Vergleich legte ich mal meine Meßsuchersystemkamera mit dem 2/35 mm Weitwinkelobjektiv und passender Streulichtblende bestückt, geladen mit einem 36iger Diafilm inklusive der Lederbereitschaftstasche plus Gurt auf eine Küchenwaage: exakt 930 Gramm an Gesamtgewicht. Auf Reisen verstaue ich sie so im Rucksack und bei Radtouren mit meinem Cross Bike in der Elbmarsch hänge ich die Kamera einfach über die Schulter. Da die Bereitsschaftstasche in Verbindung mit der aufgesetzten Blende die Frontlinse bestens gegen Verschmutzung schützt, lagern Filter und Objektivdeckel ausschließlich Zuhause.
    Mit 2.118 g belastet meine MF-SLR inklusive Gegenlichtblende, Magazinschieber, Farbkarte etc., eingeschlagen in einem Mikrofaserbeutel (gegen Staub) in einer leichten Fototasche mit Klettverschluß meine Schulter. Das schwere (Meßgeräte) Holzstativ (bis 30 kg belastbar) mit einem 3/8 Zoll Gewinde führe ich aber nur auf Autoreisen mit. In den Rucksack kommt allenfalls ein kleines, aber robustes Tischstativ plus einem Gewindeadapter mit.
    Mit über 2,6 kg schlägt die DSLR mit dem 24-105 mm Standardzoom zu Buche, einschließlich Reserve Akku und Netzteil! Auf Reisen käme dann noch ein Rechner mit optischem Brenner zur täglichen Datensicherung im Hotel dazu, denn die einzige EF-Karte an Bord der DigiCam, kann jederzeit komplett ihren Dienst – OHNE Vorwarnung – quittieren.

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