Kanarische Inseln und unser Eindruck
Es gibt große weiße Flecken auf meiner persönlich bereisten Weltkarte – das ist gut so und vieles wird sicher so bleiben. Eine Gegend wollte ich aber gern mal kennenlernen. So suchten wir uns für einen aussergewöhnlichen Herbsturlaub Gran Canaria aus.
Für mich ist Gran Canaria der Inbegriff von Massen- und Pauschaltourismus. Aber es muss doch ausserhalb der Bettenburgen und künstlichen Stränden noch etwas normales, landestypisches geben. Also mieteten wir uns für die Woche ein Auto und erkundeten Stück für Stück den südlicheren Teil der Insel.
Kleine „Landeskunde“
Ein paar Fakten halfen uns im Vorfeld, die Region besser zu verstehen.
- im Umfeld der Kanarischen Inseln ist Gran Canaria eine fast runde Insel vulkanischen Ursprungs mit ca. 50km Durchmesser und tiefen Furchen (sehr tiefe Furchen!) – Barrancos – die meist von der Mitte in Richtung Küste ausgerichtet sind
- seit etwa 500 Jahren wurde dank Raubbau die waldreiche Landschaft zu einer kargen und im süden sehr trockenen Region verunstaltet. Große Aufforstungsaktionen laufen.
- man spricht je nach Lage von insgesamt 14 Mikroklimazonen – fast jedes Wandergebiet überrascht mit anderen Pflanzen
- ein halber Autobahnring verbindet Las Palmas im Nordosten mit Mogan im Südwesten. Ganz viele der weiteren Strassen im Inland sind zwar geteert, aber sehr schmal und kurvig. Der Südwesten soll als Naturschutzgebiet weiter ausgebaut werden.
- „Kulturfreier Raum“ wäre zu hart gesagt, es gibt kleine alte Grabungen und erhaltene Höhlen. Griechische oder römische Verhältnisse, bei denen fast jeder Stein eine jahrtausendalte sagenumwobene Geschichte erzählt, findet man hier aber nicht.
Wanderung (fast) zum Playa Güi-Güi
Vielleicht kurz vorweg: diese Aufnahmen stammen von Ende Oktober, der letzten Herbstferienwoche in NRW. Wir wurden bereits am ersten Tag von novemberlichem Heimatwetter mitten in den Sommer katapultiert und wollten natürlich gleich an den Strand. Aber bitte nicht dorthin, wo alle sind. Der Tiden-Plan verwies auf einen hohen Koeffizient und immer spätere (bzw. frühere) Ebbe. Ein paar Tage später hätten wir nur zu Flut-Zeiten hinwandern können und der kleine Strand wäre fast verschwunden gewesen. Also am besten gleich am ersten Tag dorthin.
Der Ausgangspunkt befindet sich in einer der kleineren Seitentäler, in denen auch zahlreiche Obst- und Gemüsesorten angepflanzt werden.
Wir kamen erst recht spät los, sodass wir in der Mittagszeit ein faszinierendes Tal hochwanderten. Wir begegneten einer herrlichen Landschaft und tollen Pflanzen.
Die Kanaren Wolfsmilch – Euphorbia canariensis
Besonders fotogen waren für mich diese grünen Pflanzen, die wie die Kakteen in amerikanischen Western aussahen. In Wirklichkeit scheinen sie aber endemisch nur auf den Kanaren vorzukommen. Freute mich mal wieder darüber, hier eine Kamera dabei zu haben!
Unser Ausblick auf das Meer
Nach 360 Höhenmeter Aufstieg und den Blick auf 520 Höhenmeter Abstieg bis zum einsamen Strand machten wir erst einmal eine Pause. Und entschieden uns nach ausgiebigem Picknick angesichts fast aufgebrauchtem Wasservorrat und fortgeschrittener Zeit für den Rückweg.
Ich finde es wichtig, auch einmal zu schreiben, dass man sein Ziel nicht erreichte und seine Pläne änderte. Wir hatten bereits viel gesehen, einen tollen Eindruck von der Landschaft …und ja eigentlich Urlaub.
Auf dem Rückweg kamen wir kurz vor dem Parkplatz an einer frisch eingerichteten Gedenkstätte für einen verstorbenen Menschen vorbei. Nachträglich erfuhren wir, dass ein Polizist hier nach mehrstündiger Suche nach einem Vermissten zusammenbrach und verstarb.
Wer also vorhat, zu diesem Strand zu gehen, sollte sich den Tidenkalender anschauen, früh starten, genug Wasser mitnehmen und feste Schuhe anziehen! Insgesamt keine schwierige Wanderung, aber eben hin- und her zusammen fast 1000 Höhenmeter rauf und runter.
Sonnenuntergang am Mirador del Balcon
Ein Blick auf unser Wander-Garmin sagte einen Sonnenuntergang für 18:20 Uhr vorraus. Gut, dass wir es dabei hatten, denn durch Uhrenumstellung zuhause, eine Stunde Zeitverschiebung der Lokalzeit und tausende Kilometer näher am Äquator waren wir so richtig „aus der Zeit gefallen“. Eine gute Gelegenheit, noch ein paar Kilometer weiter an die Westküste zu fahren. Hier fallen die Felsen steil in das Meer hinab. Ich habe die Superlative, mit der für diesen Ort geworben wird (höchste?/längste?/südlichste?…) nicht mehr im Kopf. Finde das auch egal. Auf jeden Fall war es sehenswert!
In den darauf folgenden Tagen haben wir natürlich noch sehr viel unternommen – dazu aber nächstes Mal!