Stettin – eine Ansichtssache

Ein komischer Titel, aber vielleicht geht oder ging es euch ähnlich wie uns.

Auf dem Weg zur polnischen Ostsee lag die Stadt auf dem Weg. Lohnt es sich, dort anzuhalten?

Innenstadt von Stettin

Stettin - Blick von der Kirche
Blick auf ein wenig Altstadt-Nachbau – Fuji X-T2 XF18mmF2 R 1/1800 sec f/4.0 ISO 200

Vielleicht gibt ein kurzer Blick über die Kern-„Altstadt“ die schnellste Info darüber. Stettin wurde 1944 in Schutt und Asche gelegt. 90% wurden zerstört, kann man lesen. 90% hört man ja fast bei jeder Stadt. Wie wäre es mit fast 100%? Das war wahrscheinlich selbst für die damaligen verrohten Zeiten etwas zu unfassbar. Kommt aber meinem Gesamteindruck viel näher.

Angesichts der geringen Überbleibsel der langen und lebendigen Geschichte Stettins wäre eine Angabe nahe 100% sicher angemessener gewesen. Von einer Innenstadt, wie wir sie von vielen Städten kennen, ist in Stettin nichts zu spüren. Eine Straßenplanung der wilden 1960er-Autojahre und einzelne einfache Häuserblöcke in dieser Zeit planierten den Rest.

Stettin

Blick auf das Schlossviertel – Fuji X-T2 XF18mmF2 R 1/2500 sec f/3.2 ISO 200

Doch überrascht es etwas, dass auch heute, über 75 Jahre nach dem zweiten Weltkrieg noch große Brachflächen im Zentrum zu finden sind. Es scheint so, als hätte Stettin beim Wiederaufbau trotz der vielen fleissigen und geschickten Neubürger mit anderen Städten nicht richtig mithalten können.

Wenn ich das richtig gesehen habe, hat Stettin durch seine Binnenlage und den begrenzten Zugang durch die Westoder den Anschluss an die Containerschifffahrt verloren. Jeder kennt ja eine ähnliche Problematik von Hamburg, wo die immer größer werdenden Pötte eine Elbvertiefung erfordern. Innerhalb Polens haben da Häfen wie Danzig bessere Vorraussetzungen. Vielleicht fehlen deshalb jetzt etwas die finanziellen Mittel für eine Neuausrichtung.

Strassenszene Stettin
Straßenbild – Fuji X-T2 XF18mmF2 R 1/6400 sec f/2.0 ISO 200

Wer also auf einem kurzen Halt historisches besichtigen will, wer eine kleine lauschige Altstadt erwartet, der sei hier vorgewarnt. Das Fremdenverkehrsamt gibt sich viel Mühe und bietet einen Rundweg durch die Stadt an, der für ein kurzes Verweilen ganz nett ist.

Richtig interessant wird es hier vermutlich – wie in vielen anderen Städten – erst, wenn man sich längere Zeit für Kontakte nimmt und tiefer in das soziale und kulturelle Netzwerk kommt. Einen kurzweiliger Gang durch alte, historische Gassen, eine Spur mittelalterlichen Flairs? Leider Fehlanzeige.

Fahrräder in Stettin
diese Stadt kann man sportlich nehmen – Fuji X-T2 XF18mmF2 R 1/2500 sec f/2.2 ISO 200

Deshalb möchte ich euch zu viele Fotos aus der Innenstadt ersparen. Fotografisch gibt es sicher viele schöne Perspektiven und wie wir ja gelernt haben: die Kunst der Fotografie liegt in ihrer Limitierung!

Stettin an der Westoder
Fuji X-T2 XF35mmF1.4R 1/5000 sec f/2.8 ISO 200

„Die Kunst der Limitierung“ spornte mich in Stettin aber nicht an. Ein wenig resigniert habe ich noch nicht einmal das Objektiv oft gewechsel. Aber wozu auch, denn dass XF18mm ist ja vielseitig genug.

Schloss Stettin
auf zum Stettiner Schloss – Fuji X-T2 XF18mmF2 R 1/2000 sec f/3.2 ISO 200
Eingangstor Stettiner Schloss
Schlosseingang – Fuji X-T2 XF18mmF2 R 1/5400 sec f/2.5 ISO 200
Harfenkonzert im Stettiner Schlosshof
Harfenkonzert vor historischer Kulisse – Fuji X-T2 XF18mmF2 R 1/1250 sec f/3.2 ISO 200

Der Hafen

alter Hafen Stettin
hier wird Neues enststehen – Fuji X-T2 XF90mmF2 R LM WR 1/5800 sec f/2.0

Der Weg zwischen Campingplatz und Innenstadt führte uns direkt am Hafengelände vorbei. In der Summe wirkte es so, dass hier die besseren, interessanteren Motive zu finden waren. Besonders diese Mischung aus alt und neu gab immer wieder eine gute Zusammenstellung.

Umgebung Stettin
Baustile – Fuji X-T2 XF35mmF1.4R 1/5800 sec f/2.8 ISO 200
Kräne Stettiner Hafen
alte Hafenanlage mit neuem Glanz – Fuji X-T2 XF90mmF2 R LM WR 1/6400 sec f/2.0
alte Hafenanlage Stettin
Buffet am Hafen? – Fuji X-T2 XF90mmF2 R LM WR 1/2700 sec f/3.2
alte Lastwagen Stettin
abgenutzt – Fuji X-T2 XF35mmF1.4R 1/800 sec f/3.6 ISO 200
Hafen Stettin
Kran-Ballett – Fuji X-T2 XF90mmF2 R LM WR 1/4000 sec f/2.0
Werbebanner Stettiner Hafen
alt und neu – Fuji X-T2 XF35mmF1.4R 1/4700 sec f/2.8 ISO 200
Bahnanlage Stettiner Hafen
der Weg in eine alte Zeit – Fuji X-T2 XF18mmF2 R 1/1250 sec f/2.8 ISO 200
Werbebanner Stettin
und immer wieder große Werbung – Fuji X-T2 XF35mmF1.4R 1/4400 sec f/2.8 ISO 200

Die oft gehörte Nachfrage

Ich möchte hier keine alten Klischees bedienen. Denn auch durch deren Verneinung setzt man ja noch einen Rest im Kopf fest…

Aber: die „wilden“ Jahre sind lange vorbei. Ein Bekannter wärmte vor unserem Urlaub den alten Spruch „fahr nach Polen – dein Auto ist auch schon da“ auf. Irgendwie bin ich im Nachhinein noch etwas „sauer“, dass sich diese Vorurteile so hartnäckig halten. Sollte vielleicht einfach mal selber hinfahren.

Graffiti Stettin
sicher! – Fuji X-T2 XF18mmF2 R 1/1800 sec f/2.2 ISO 200

Auch nach unserem Urlaub war die Frage nach der Sicherheit immer wieder Thema. Aber sehen wir es positiv: durch das Nachfragen zeigt der Gesprächspartner ja seinen Wunsch nach realistischer aktuellen Einschätzung. Und Neugier und Wille zur Veränderung ist ja etwas gutes.

Ich denke, dass dein Fahrrad am Kölner Hauptbahnhof schneller geklaut wird als in Danzig. So sind alle Großstädte. Und ausserhalb solcher Hotspots ist zum Beispiel das Zelten an einem Posener See genauso behaglich und sicher wie an einem ostwestfälischen Baggerteich. Also: vergesst diesen Absatz schnell wieder!

Camping am See

See Campingplatz Stettin
Fuji X-T2 XF90mmF2 R LM WR 1/10000 sec f/2.

Falls ihr mit Zelt oder Wohnmobil unterwegs seid, dann gibt es vielleicht noch einen anderen Grund, in Stettin eine kurze Rast einzulegen: der Camping Marina Szczecin.

Die Ausstattung ist zwar nicht üppig, ein typischer städtischer Platz. Doch er liegt direkt an einem See und die Innenstadt ist von dort aus bequem per Bus oder mit dem eigenen Fahrrad erreichbar.

Sonnenuntergang Hafen Stettin
Fuji X-T2 XF16mmF1.4 R WR 1/640 sec f/2.8 ISO 200

Tja, wenn ihr in diesem Artikel einen richtigen Reiseführer erwartet habt, dann muss ich euch leider enttäuschen. Aber da gibt es genug von und einige davon sogar von ortskundigen, kompetenten Leuten. Ich hoffe aber, dass ihr mit Hilfe von ein paar Bildern einen kleinen Eindruck gewinnen konntet.

Nach einem schönen Sonnenuntergang am Jachthafen geht unsere Reise noch ein Stück weiter Richtung Osten.

Sonnenuntergang Stettiner Hafen
Fuji X-T2 XF90mmF2 R LM WR 1/280 sec f/4.0
Veröffentlicht in reise

2 Gedanken zu „Stettin – eine Ansichtssache

  1. Lieber Jürgen,
    ein ziemlich inspirierender Artikel und tolle Perspektiven. In diesem Fall mag die die Farbaufnahmen mehr. Irgendwie sind mir die SW-Aufnahmen eine Spur zu clean. Ich vermisse da die gute alte Körnung, die auch gut zum Ambiente passen würde. Aber ganz persönlicher Geschmack.

    Was die Sicherheit anbetrifft, ich war früher beruflich öfter in Osteuropa und hatte immer die Devise, die Menschen hier würden auch überleben. Polen und das Baltikum werden oft völlig unterschätzt.

    Lieber Gruß

    Kai

    1. Hallo Kai,
      Deine Leidenschaft fürs Analoge hat Dich schon zum Fachmann gemacht. Die sw-Fotos in diesem Artikel sind leider nichts für Feinschmecker wie Dich und statt körnig nur ein wenig rauschend. Kann verstehen, dass Dir da etwas das Salz in der Suppe fehlt. Ich war einfach froh, nur einen Body mit ein paar Linsen zu tragen. Keine Entscheidung treffen müssen, ob ich das nächste Motiv digital oder analog ablichten sollte.
      Freue mich schon drauf, Deine Bilder vom Norden zu sehen.
      Jürgen

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