Sie werden langsam alt
Typisch 1970er-Jahre-Architektur. Beton und Geländer, wie wir sie nur noch aus von Hausmeistern liebevoll gepflegten Schulen oder Behörden kennen. Vor zehn Jahren hätte ich noch gefragt, wann so eine Bausünde endlich abgerissen wird. Aber irgendwie haben solche Betonmonster langsam etwas historisches. Da wird der Turm nicht mehr Plattform für Landschaftsfotos, sondern selbst zum Objekt.
…wenn behördliche Spielverderber nicht in einem großen Abstand einen stabilen Bauzaun herum gezogen hätten. Das schränkt die Möglichkeiten deutlich ein. Wie gern wäre ich mal drunter durch gelaufen.
Wenn man sich die verwitterten Fugen und den rostenden Armierungsstahl anschaut, kann man es aber auch verstehen, warum ein paar Meter vor dem Aussichtsturm schon Schluss mit lustig ist. Betonkonstruktionen „knarren“ ja nicht jahrelang wie eine alte Bodendiele, sondern geben von jetzt auf gleich nach. Man erinnere sich nur die Morandi-Brücke in Genua.
Aber ganz im Ernst. Ich habe so das Gefühl, dass wir uns mit dem Turm-Thema mal beschäftigen sollten. Gibt es Aussichtstürme in unserer Nähe, die wir unbedingt zeitnah besuchen sollten, bevor uns dort auch ein Bauzaun empfängt? Und dann vielleicht über viele Jahre bleibt? Sind das die „Locations“, deren Ausblick wir bei nächster Gelegenheit mit Kamera festhalten sollten? Nicht überall kann man ja später mal mit einer Drohne etwas nachholen.
So aus dem Bauch heraus glaube ich auch, dass es einfacher ist, Leute für einen Aussichtsturm an neuem Standort zu gewinnen als einen alten zu ersetzen. Bei einem neuen Turm mit noch unbekannter Aussicht könnte der Impuls zum Handeln etwas größer sein, als bei einem seit vielen Jahren eingängigen Panorama. Das Unbekannte lockt.
Die Stadt Georgsmarienhütte, die auf dem Schild auf ihre Internetpräsenz hinweist, bietet dort etwas besonderes: den Wandervorschlag Nr. 11 „von Turm zu Turm„. Beide gesperrt – so viel Humor hätte ich der Verwaltung nicht zugetraut!
Wird der Wald beliebter?
In dem uns angrenzenden Gebiet, dem lippischen Bergland, ist es uns bisher kaum aufgefallen: der Wald und die Natur allgemein sollen – so man Berichten trauen kann – immer beliebter werden. Insbesondere durch neuere Trendnutzungen wie Mountainbiker oder elektrisierte Motorradler kommt eine neue Gruppe Besucher hinzu.
Im westlichen Teutoburger Wald in der Nähe von Osnabrück kann man schon an den recht neuen Schildermonstern erkennen, dass hier an schönen Wochenenden der Bär los ist. Und dann nur gesperrte Aussichtstürme?
Licht und Schatten
Der Varusturm und der Hermannsturm sind nicht die einzigen, deren Hinfälligkeit uns in letzter Zeit begegnet sind. So wurde der von uns gern besuchte Ludwigsturm südlich von Rinteln sogar gesprengt (Sprengung auf Youtube). Das Restholz lag übrigens lange noch am Ort. Durch die Imprägnierung wurde der Naturbaustoff Holz zu Sondermüll und musste aufwändig durch Fachkräfte entsorgt werden.
Ganz anders letztens auf dem Weg nach Süden der relativ moderne Hausbergturm (liebevolle Internetpräsenz mit Webcam!) bei Butzbach nördlich von Frankfurt. Trotz abendlichen Nieselregen ein schöner Ort zum Entspannen. Einfach mal in die Ferne sehen.
Wir können beim Hermannsturm und Varusturm mal gespannt sein, wie es weiter geht. Für Fotos sind sie auch jetzt und unrenoviert interessant.