Wann ist ein Meer ein Meer?

An einem 30 Quadratkilometer großen Flachsee zwischen Steinhude und Mardorf.

Bootssteg Mardorf, Steinhuder Meer
Fuji X-T2 XF35mmF1.4 R 1/7000 sec f/2.8 ISO 200

Seit Monaten durchkämmen wir zu Fuß oder mit Fahrrad die Wälder und Felder in Ostwestfalen. Sehr schön, gerade im Frühjahr – keine Frage. Und gerade mit den unvermeidbaren Einschränkungen durch die winzigen Dinger mit dem großen C. am Wortanfang. Doch der Drang nach „Meer“ wird von Woche zu Woche größer. Was spricht dagegen, einfach mal bei Sonnenaufgang loszuradeln und dem einzigen See in der Nähe, der das Wort „Meer“ im Namen trägt, einen Besuch abzustatten. Auf zum Steinhuder Meer!

Aussichtspunkt Mardorf, Steinhuder Meer
lonely places am Morgen – Fuji X-T2 XF35mmF1.4 R 1/2900 sec f/3.2 ISO 200

Der Fliegenpilz in Mardorf

Mein erstes Lieblingsziel ist immer wieder der Fliegenpilz-Kiosk in Mardorf. Der Betreiber startete gerade seine Vorarbeiten, um gegen 11:00 Uhr zu öffnen. Leider zu spät für mich. Wer wartet schon gern über zwei Stunden auf einen Kaffee.

Pilzkosk Mardorf, Steinhuder Meer
ein Pilz am frühen Morgen – Fuji X-T2 XF35mmF1.4 R 1/8000 sec f/1.6 ISO 200

Kennt Ihr die Geschichte „hinter“ diesem komisch wirkenden Kiosk? Ihr könnt Euch kaum vorstellen, wofür der mal werben sollte…

Der Pilzkiosk (die Geschichte dazu auf Wikipedia) sollte in den 1950er Jahren für Milch- und Milchprodukte werben. Was hat das bloß mit einem Fliegenpilz zu tun? Auf jeden Fall stellte die Firma Waldner dafür knapp 40 Milchverkaufsbars in Form eines Pilzes her. Einige davon sind noch erhalten – so auch das Exemplar in Mardorf.

Pilzkosk Mardorf, Steinhuder Meer
frisch renoviert – Fuji X-T2 XF35mmF1.4 R 1/4500 sec f/2.8 ISO 200

Zurück zum Meer

Bootssteg und Insel Wilhelmstein Mardorf, Steinhuder Meer
Schiffssteg und Insel Wilhelmsstein – Fuji X-T2 XF35mmF1.4 R 1/8000 sec f/2 ISO 200

Einer meiner ersten Eindrücke war der Vergleich mit den Seen in Masuren, die wir im letzten Sommer besucht haben. Segelboote, Wasserfläche, Stege und Ufer mit Schilf. Allerdings ist das Steinhuder Meer der größte See im Einzugsgebiet von Hannover und damit nicht annähernd so ausgedehnt und wenig genutzt wie die Masurische Seenplatte. Und so einsam, wie die Gegend morgens wirkt, bleibt sie leider nicht den ganzen Tag.

So groß der See auch ausschaut, so viel Wasser wie vergleichbare Talsperren oder Alpenseen hat man nicht vor sich. Das Steinhuder „Meer“ ist im Durchschnitt nur 1.35m tief – an der tiefsten Stelle 2,90m.

Steg in Mardorf, Steinhuder Meer
Fuji X-T2 XF35mmF1.4 R 1/5500 sec f/2.8 ISO 200

Trotzdem kann man sich zurücklehnen, die Füße in den Sand stecken und hinaus aufs Wasser schauen. Irgendwie wirkt Wasser doch beruhigend und lässt in einem das Gefühl von Urlaub hochkommen.

Pause am Steinhuder Meer
Rast nähe der „weissen Düne“ – Fuji X-T2 XF35mmF1.4 R 1/3200 sec f/2.8 ISO 200

Auf nach Steinhude!

An der Ostseite des Sees kann man durch das Moor nach Steinhude radeln. Auf dem Weg dorthin gibt es einige Aussichtspunkte, Stege und Tafeln, um sich über die Geschichte und Nutzung des Moores zu informieren.

Ich muss hier unbedingt erwähnen, dass die Natur der ganzen Gegend inzwischen unter Schutz steht – und das auf sehr vielfältige Weise. Die Küstenbereiche sind in vier Naturschutzgebiete eingeteilt, alles zusammen ist ein Landschaftsschutzgebiet, gleichzeitig Fauna-Flora-Habitat-Gebiet, Vogelschutzgebiet …und „Naturpark Steinhuder Meer„.

Früh morgens ist es hier noch sehr leer und das Fahrrad fahren macht noch richtig Spaß. An einem Sonn- oder Feiertag möchte ich hier aber nicht mitten am Tag entlang kommen. Da dürfte es viel zu voll werden. Im Jahr zählt man rund um das Steinhuder Meer zwei Millionen Besucher, die meisten davon im Sommerhalbjahr und speziell an Sonn- und Feiertagen…

Radweg durch das Moor am Steinhuder Meer
Fuji X-T2 XF35mmF1.4 R 1/2400 sec f/2 ISO 200

Steinhude mit seinen vielen Wochenendhäusern und der Architektur eines kleinen Ostseebades im Stil der 1950er wirkt auf mich immer recht klein und übersichtlich. Eine kleine Fußgängerzone, Ein paar Buden mit frischen Fischbrötchen, ein paar Gastronomiebetriebe und Cafés reichen aber für eine kleine Reiseunterbrechung völlig aus. Noch eine kurze Aufklärung für die Fischesser unter euch: Rächeraal „Steinhuder Art“, der hier als Delikatesse angeboten wird, kommt zu etwa 90% aus anderen Gebiete wie zum Beispiel die dänische Ostsee. So viele Aale gibt das „Meer“ hier nicht her.

Steinhude, Steinhuder Meer
Steinhude – Fuji X-T2 XF35mmF1.4 R 1/4500 sec f/2.5 ISO 200
Gänse am Steinhuder Meer
Steg der Ausflugsschiffe in Steinhude – Fuji X-T2 XF35mmF1.4 R 1/8000 sec f/2 ISO 200
Tretboot Verleih Steinhude, Steinhuder Meer
Tretboot-Armada – Fuji X-T2 XF35mmF1.4 R 1/4000 sec f/2 ISO 200

Was auf jeden Fall in Erinnerung bleibt, ist das klassische Steg-Bild. Normalerweise erfordert der See- und Wellengang eine Langzeitbelichtung, um die Wasseroberfläche besonders glatt und weich erscheinen zu lassen. Am Meer „Steinhuder Art“ reicht da am frühen Morgen manchmal auch schon eine offene Blende und eine 1/5000 Sekunde.

einsamer Bootssteg, Steinhuder Meer
still ruht der See (noch) – Fuji X-T2 XF35mmF1.4 R 1/5000 sec f/2.5 ISO 200

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